Feingefühl

Heft–08

3 Editorial
4 Inhalt
6 Fundstück der Saison
8 News | Termine
10 Suzanne Golden: Perlen-Pop-Art
22 Kurs: Perlen in der Fläche
56 Porträt: Gisela Hoffmann
78 Perlenladenverzeichnis
82 Buchvorstellungen
83 Tipps und Tricks
84 Wissen: Der Perlen neue Kleider    
86 Interview: Martina Nagele
98 Vorschau/Impressum

Anleitungen
23 Handtasche „Hana-Bi“
27 Tasche „Amulet Purse“
30 Schmuckset „Perlen Poesie“
42 Collier „Dragonfly Escapade“
46 Armband „Spring Freeform“
50 Objekt „Equinox Geopod“    
58 Lariat „English Rose“
63 Ring „Froufrou“    
64 Armband „Helio“    
66 Armband „Coiled Crystals“
68 Armband „Obstsalat“
69 Halskette „Jester Lariat“
71 Collier „Slaying Dragons“
92 Titelstück „Beaucoup d’amusement“

Geeza* ist etwas Besonderes: Sie verbindet Perlen zu Bildern – am Webrahmen.

2564 Gisela Hoffmann am Webrahmen

 

Wir besuchen eine der wenigen deutschen Per­lenkünstlerinnen, deren besondere Spezialität das Weben mit Rahmen ist: Gisela Hoffmann in Berlin. Man rufe sich einen Fluss vor Augen, der um und über Steinbrocken rauscht, mal Blätter, Zweige, Steinchen mitnimmt und wieder ablädt, dann weiter durch wechselnde Landschaften mal schneller, mal langsamer strömt, plätschert, gurgelt.

2565 Auftragsarbeit nach einem Stickbild von Maria von Scharrenburg.

Ein treffendes Sinnbild für Gisela: „Ich habe immer gebastelt und gemalt. Schon als Kind presste ich Blumen, entwarf Kasperlefiguren samt Spielstücken für meine jüngeren Geschwister, machte Kastanienmännchen …“ Ideen entwickeln, kreativ arbeiten – es sprudelt nur so aus ihr, es gehört untrennbar zu ihrem Leben, das ist sie! In Duisburg geboren, gingen ihre Eltern mit 8 weiteren Familien für 13 Jahre nach Indien (Himachal Pradesh), um ein vom deutschen Staat gefördertes landwirtschaftliches Projekt durchzuführen. Eigenwillig läuft sie allein zu den indischen Nachbarn, isst mit ihnen das für Deutsche ungewohnte Essen, ist offen und neugierig. Dieses Land mit seiner kräftigen, leuchtenden Buntheit prägt ihr Farbempfinden.

2566 „All a girl needs“: gefülltes RAW, bestickt mit Blüten in Peyote (1. Platz des Wettbewerbs „Bombastische Blüten“ von I-Perlen).

Als junges Mädchen zurück in Deutschland, besucht sie alle Kunst- und Handarbeitskurse, die von der Schule angeboten werden, wie z. B. Linolschnitt und Batik. „Als Mutter von zwei Kindern dann bastelte ich, nähte, bestickte, strickte Kleidung … Ich sammle, mache, verschenke, verkaufe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir der Spaß an diesen Arbeiten je verloren geht“, ist sie sich sicher.

2567

 

Zum Medium Glasperlen kam Gisela im Jahr 2000. Sie probierte und lernte sämtliche Techniken. „Ich habe jedoch immer meine eigenen Sachen gemacht“, sagt sie. Als Vorbilder und Inspirationsquellen zählt sie Laura McCabe, Dustin Wedekind, Huib Petersen, Klimt, Hundertwasser und – wirklich! – „männliche Perlen­dreher“ auf, da ihr das, was sie entwerfen, meist besser gefällt, als das, was Frauen sich ausdenken.

2568 „Bukett Lila“: Blumen in Peyote und Brick-Stitch auf RAW- und Herringbone-Basis.

Beim Surfen im Internet stieß Gisela auf gewebte Perlenbilder (mit Wolfshunden), die auf Rahmen gespannt waren. Sie stam­mten von einem Indianer, der sich sofort bereit erklärte, über das Perlenweben zu berichten, Tipps und Tricks weiterzugeben – ja, er hat ihr sogar einen Rahmen gebaut! Später entdeckte sie die Designerin Sigrid Wynne-Evans, die Wordcharts für Webbilder verkauft, auch sie gab nützliche Informationen weiter. Nach einer Phase des Suchens und Testens von geeignetem Material webte Gisela ihr erstes eigenes Bild. Insgesamt finde man im Internet nicht viele Informationen über diese Art von Kunsthandwerk, sagt sie. Größere Bilder zu weben  bedeutet, sich vollständig zu konzentrieren, Fehler sind praktisch nicht erlaubt!

2569 Perlen werden in exakter Reihenfolge aufgenommen.2570 Vorbereitung: In Kästen mit Nummern werden die Perlen sortiert.

Bis jetzt hat Gisela 17 Bilder in Größen von 30–50 x 50 Zentimetern gewebt. Die Fertigstellung dauert jeweils etwa  drei bis vier Monate. Meistens hat sie im Auftrag gearbeitet. Wie kommt man zu geeigneten Vorlagen? Sie berichtet: „Vorlagen für Kreuzstich-Stickerei sind  auch für das Weben zu gebrauchen. Fotos, wenn sie hochwertig sind, lassen sich dank Software in Vorlagen verwandeln. Ansonsten darf man auch seine Fantasie benutzen … Der aufwendigste Teil der Vorbereitung ist die Farbauswahl.

2571 „Grün!“, Basis Freeform-Netting, bedeckt mit Blättern in Peyote und Square-Stitch.

 

Denn auch Delicas sind nicht hundertprozentig gleichmäßig – Perlen in matten Farben sind dickwandiger, dunkle zum Teil sehr dünnwandig und brechen schnell, der Alptraum schlechthin! Sogenannte ,Schrottperlen‘ müssen aussortiert werden; das können bei 2000 Perlen (etwa 10 g) schon mal 200 Stück sein. Dann muss das Garn gewählt werden. Farbiges Garn verändert das Aussehen von transparenten Perlen. Es gibt eine Menge zu bedenken! Die Vorbereitung dauert fast so lange wie das Weben selbst.“ Gisela bietet an, Bilder nach Kundenwunsch zu weben. Informationen und den Entstehungsvorgang eines Bildes aus 125.000 Glasperlen in 54 Farben sieht man auf ihrer Homepage: www.shorty-der-zwerg.de. Zurzeit schwebt ihr ein sogenanntes Masterpiece vor: ein Bild am Rahmen gewebt und zusätzlich bestickt. Wir sind gespannt!

2572 Gisela Hoffmann im Gespräch