Über die Schulter geschaut

Heft–02

3 Editorial    
4 Inhalt
6 Fundstück der Saison
8 News
10 Diane Fitzgerald
22 Fischgrätkurs
46 Lampwork: Martina Spitzenfeil
56 Atelierbesuch: Birgit Bergemann
65 Leserbriefe
76 Reportage: Bead and Button Show
84 Wissen: Fadenvorbereitung
89 Perlenladenverzeichnis
98 Fortbildung: Meisterklassen
102 Vorschau/Impressum

26 Anleitungen:
26 Armband „Krokodil“
28 Taschenschmuck
32 Blütenlariat
38 Halskette „Glory“
41 „Sternenstaub“-Ring
49 Halskette „Leopard“
50 Titel-Schmuckstück „Alkyone“
62 Halskette „Petite Fleur“
66 Korallenketten   
68 Halskette „Pussycat“
69 Halskette „Galaranke“   
80 „Gefädelte Perlen“   
86 „Blooming“
92 Halskette „Majestät“
95 Armband „Parthenon“

Über die Schulter geschaut

 

Lernen mit Genuss und Spaß. In den Kursen dieser Meisterinnen ist das möglich.

2113 Schulterblick


Es ist kurz vor 9:00 Uhr. Der Workshop findet im Seminarraum eines Hotels statt. Ich bin etwas nervös und frage mich, ob ich dem Unterricht wohl folgen kann. Meine erste Kursleiterin ist Laura McCabe, eine von mir favorisierte Designerin, deren Ideenvielfalt mich immer wieder überzeugt. Sie scheint einen Riecher für Trends zu haben oder diese sogar in Gang zu setzen.
Ich bin ein wenig zu spät gekommen und so herrscht schon eine konzentrierte  Atmosphäre, als ich hereinkomme. Alle anderen Teilnehmer sind bereits mit ihren Arbeiten beschäftigt. Mir fällt auf, dass sie neben einem Werkzeugkasten auch eine Tageslichtlampe mitgebracht haben. Laura begrüßt mich freundlich und sofort fällt meine Anspannung ab. Sie wirkt charmant jungenhaft.Ausgebreitet auf dem Tisch liegen ihre berühmten Schmuckstücke zur Ansicht.

„Aus 1000 Themen wurden 300 als Workshops ausgewählt. Toll, dass Perlen Poesie bei einigen zuschauen durfte!“

Verwendete Tech­niken sind der Fischgrätstich, um Pagodenformen herzustellen, und ein wenig Perlenstickerei. Laura bewegt sich zurzeit weg vom Glitzern, hin zum Opaken. Natursteine, eingerahmt mit Zylinder-Rocailles, stehen im Fokus. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen schätze ich auf 50 Jahre. Jede trägt ein exzellentes Schmuckstück aus Perlen, das ein aufwendiges Design verrät. Natürlich habe ich ebenfalls meine prächtigen Arbeiten mitgebracht, denn als einzige Deutsche repräsentiere ich die deutschen Beader. Auch wir haben etwas drauf! Jede von uns sucht sich eine der vorbereiteten Perlenpackungen aus. Alles ist hübsch in kleinen Schachteln sortiert, Perlen, Cabochon, Nadeln und eine Rolle mit Wildfire-Faden. Mein Set  ist dunkelblau und gold.

2115 Aufmerksam: Alle schauen gebannt auf die Zeichnungen und Finger von Laura.

Laura teilt die Teilnehmer in zwei Gruppen auf. Während die erste ihr über die Schulter schaut und Anweisungen erhält, liest die zweite Gruppe die im Klassenzimmer verteilten Instruktionen sorgfältig durch. Obwohl die Projekte mit 15/0-Perlen gefädelt werden sollen, demonstriert Laura zur Veranschaulichung die ersten Schritte mit den größeren 8/0. Ihre Erklärungen sind sehr deutlich. Selbst eine Frau aus Japan, die kein Englisch versteht, scheint dem Geschehen gut zu folgen. Laura hat eine eigene Art, sich auszudrücken:
„Nimm diesen kleinen Kerl (Anm.  d. Red.: Perle) auf, cool?“ Wir lassen uns anstecken und antworten wie im Chor: „Cool…!“ Laura sorgt noch für eine Überraschung, als sie uns zum Abschied eine Anleitung schenkt. „Cool  …!“, sagen wir einstimmig. Am Ende des zweiten Tages kann ich zwar nur ein halbes Mittelstück und einkleines Kettenteil vorweisen, doch ich habe den „coolen“ Unterricht genossen und eine Menge gelernt.

2117 Lohnend: Die Antworten auf einzelne Fragen enthalten viele gute Tipps.

Ein weiterer Kurs führt mich zu Carol Cypher. Beschwingt und herzlich begrüßt uns die Dame mit den langen Rastalocken und dem wallenden Kleid. Es geht um die Herstellung eines Armbandes im Polygon-Stich. Das Armband selbst mag unbedeutend wirken, doch es wird in Form einer dreieckigen Röhre gearbeitet, wobei die Fadenrichtung sehr ungewöhnlich ist. Normalerweise ist dieser afrikanische Stich selten Thema eines Workshops.

2121 Einfühlsam: Carols persönliche Anleitung, rechts im Bild, erleichtert Fortschritte.

Wir lassen uns von ihrem Enthusiasmus anstecken und merken kaum, wie die Zeit vergeht.

2123 Ermunternd: gestenreich und mit viel Augenkontakt vergewissert sich Carol, dass man ihre Anleitung versteht.

Den nächsten Kurs habe ich bei Anna E. Draeger. „Hello, Ladies“ begrüßt sie uns mit ihrer melodiösen, tiefen Stimme; auch sie eine Frau mit Charisma. Es sollen perfekte Perlenwürfel hergestellt werden bei Verwendung von möglichst wenig Perlen, mit anderen Worten: Größter Nutzen mit geringstem (Material-)Aufwand — das fesselt einen erfahrenen Beader!

2119 Atmosphärisch: Mit Kaffee und guter Unterweisung lernt es sich leichter.

Anna hat verschiedene Perlen­packungen zur Auswahl. Da meine Lieblingsfarbe schon vergeben ist, entscheide ich mich wieder für Blau. Mir fällt ein junges, etwa 12 Jahre altes Mädchen auf, um das sich die Kursleiterin besonders kümmert; sie führt die Anweisungen erstaunlich gut aus. Meine Nachbarin scheint in der Perlenkunst sehr fortgeschritten zu sein.

2125 Konzentriert: wie zur Schulzeit während der Klassenarbeit sind alle Kursteil­nehmer in ihre Perlenarbeiten vertieft.

Anna kommt an unseren Tisch und lobt sie: „Wow, Sie machen das gut!“ Trotzdem wirkt meine Nachbarin etwas frustriert. Auf Nachfragen erzählt sie, dass sie sich als Kursleiterin beworben hatte, jedoch nicht angenommen wurde. Anna erklärt, dass die Kurse aus über 1000 Themen ausgewählt werden und diese Wahl extrem schwierig ist.

Plötzlich hört man einen leises: „Oh, no!“ Anna dreht sich um „Ich glaube, da braucht jemand Hilfe“ und kümmert sich darum. Auch an diesem Tag kann ich mein Projekt – ein Armband – nicht beenden. Zu Hause stelle ich es dann fertig. Jetzt liegt es auf meinem Arbeitstisch und erinnert mich an den Kurstag bei einer klasse Lehrerin. Hey, Blau finde ich auch ganz „cool“…

2127 Kombiniert: die Ver­wendung von Zeichnungen und praktischer Anleitung machen Lauras Technik gut nachvollziehbar.