3 Editorial
4 Inhalt
6 Fundstück der Saison
8 News
10 Diane Fitzgerald
22 Fischgrätkurs
46 Lampwork: Martina Spitzenfeil
56 Atelierbesuch: Birgit Bergemann
65 Leserbriefe
76 Reportage: Bead and Button Show
84 Wissen: Fadenvorbereitung
89 Perlenladenverzeichnis
98 Fortbildung: Meisterklassen
102 Vorschau/Impressum
26 Anleitungen:
26 Armband „Krokodil“
28 Taschenschmuck
32 Blütenlariat
38 Halskette „Glory“
41 „Sternenstaub“-Ring
49 Halskette „Leopard“
50 Titel-Schmuckstück „Alkyone“
62 Halskette „Petite Fleur“
66 Korallenketten
68 Halskette „Pussycat“
69 Halskette „Galaranke“
80 „Gefädelte Perlen“
86 „Blooming“
92 Halskette „Majestät“
95 Armband „Parthenon“
Birgit wohnt mit Ehemann in ihrem kleinen verträumten Häuschen, in einem kleinen verträumten Städtchen, nordöstlich von Berlin mit Kopfsteinpflaster und schöner alter Allee. Sie erwartet uns schon und sprudelt gleich etwas berlinerisch angehaucht los. Wir brauchen nicht lange, um miteinander warm zu werden, denn Birgit ist humorvoll und trägt ihr Herz auf der Zunge. Wir fragen sie als Erstes, was denn „Fofinha“ heißt. Verschmitzt sagt sie, dass eine brasilianische Freundin ihr diesen Namen gegeben habe, der auf Deutsch in etwa „die Kuschelige, Weiche“ bedeutet, womit sie auf ihr kleines „Hüftgold“ anspielt.
Wie sie überhaupt auf das Arbeiten mit Perlen gekommen sei, beschreibt sie so: „Vor etwa 5 Jahren fand ich in einem Nachlass ein Buch, in dem eine gefädelte Kette abgebildet war, das machte mich neugierig. Ich hatte zu der Zeit noch von ‚nüscht ne Ahnung’. Ich habe dann viel ‚gegoogelt’ und bin unter anderem auf die Seite ‚perlenhaekeln.de’ gestoßen. Mir fielen die Augen aus dem Kopf und der Kinnladen klappte runter, als ich sah, was mit Perlen alles gemacht wird. Da war es um mich geschehen und so nahm alles seinen Anfang.
Ich kaufte meine ersten Perlen bei Ebay und auch Anleitungsbücher, meist in Englisch. Und das bei meinen mageren Kenntnissen! Doch Learning by Doing: Ich setzte mich vor meinen Computer und übersetzte mit einem Online-Übersetzungsprogramm Wort für Wort. Da kam zwar oft Kauderwelsch heraus, doch manchmal habe ich dadurch genau den Schritt, der mir beim Fädeln gerade fehlte, verstanden.
Ich betrachtete Bilder und ‚googelte‘. Wenn ich nämlich etwas lernen will, dann gebe ich nicht auf. Ich tüftele, bis ich es heraushabe. Da bin ich dann gern Einsiedler, obwohl ich sonst ein geselliger und kommunikativer Mensch bin. Es gibt Dinge, die muss man mal gefädelt haben, wie z. B. eine Pretl-Dose. Ich liebe Rasterstich (RAW Right Angle Weave). Neu entdeckt habe ich für mich Perlenstickerei (Bead-Embroidery) In dieser Technik möchte ich ein größeres Werk herstellen, das mich etwa ein Jahr kostet, doch mehr möchte ich jetzt nicht verraten.“
Wir fragen Birgit, warum sie denkt, dass gerade diese Art des Kunsthandwerks ihr so viel Freude macht. Sie sagt: „Wenn ich darüber nachdenke, bin ich überzeugt, dass schon meine Lieblingsfächer in der Schule mein Begabungsfeld deutlich machten. Neben Sport waren es Kunst und Mathematik. Ich denke räumlich und liebe geometrische Formen.
Vor meiner Perlenzeit war ich viel mit Kunststricken und Filethäkeln beschäftigt. Mein Ursprung bei der Perlenarbeit liegt im Häkeln mit Perlen. Zum Fädeln bin ich erst später gekommen, doch ich kehre immer wieder zu meinen ‚Perlenwurzeln’ zurück und umhäkle leidenschaftlich gern Kugeln mit winzigsten Perlen. Darauf habe ich mich spezialisiert. Ich entwickle dafür Zählmuster und Anleitungen, die man bei mir im Shop erwerben kann.“ Sie schiebt ein: „Früher hatte ich immer tausend Sachen gleichzeitig liegen. Seit dem Perlenarbeiten bin ich ein ordentlicher Mensch geworden, ich arbeite nur noch an zwei bis drei Dingen gleichzeitig ...“. Sie berichtet weiter: „Da sitze ich dann mit der Lupe auf der Nase und kann ganz in mich einkehren. Mein Mann hat mal zu mir gesagt: „Seit du perlst, hast du so ein besonderes Lächeln im Gesicht.‘ Wenn ich Kummer habe: Perlen hilft. Was von der Künstlerin Katharina Dietrich in der ersten Ausgabe von Perlen Poesie zitiert wurde, ist mir aus der Seele gesprochen: Perlen wirkt therapeutisch. Gleichzeitig sprudeln dabei neue Ideen. Ich bin ein gläubiger Mensch und dem Schöpfer sehr dankbar, dass er mir diese Kreativität mitgegeben hat. Ich fühle mich persönlich nicht als etwas Besonderes, doch die Kreativität an sich empfinde ich als etwas Außergewöhnliches. Ich glaube, die Tatsache, dass wir Farben sehen können, Geschmäcker erleben oder der Gedanke, nicht nur Nutztiere zu haben, sondern auch Haustiere, zeigt, dass wir gemacht wurden, um uns am Leben zu erfreuen, es zu genießen.“
Birgit wünscht sich, dass uralte Techniken wie das Häkeln von Kugeln mit winzigsten Perlen in Deutschland wieder bekannter und mehr verbreitet werden sollten. In diesem Zusammenhang erwähnt sie Silvia Winterstein, die das Perlenhäkelforum gegründet und von Anfang an interne Wettbewerbe ausgeschrieben hat. Zweimal hat Birgit die Messe „Textile-Art-Berlin“, die von Natacha und Christof Wolters initiiert wird, bereichert. Als wir uns verabschieden, sind wir beeindruckt von einer Künstlerin, die ihrem Wunsch, die alten Perlentechniken zu verbreiten, entsprechend lebt.