Perlenkünstler aus Wien

Heft–05

3 Editorial
4 Inhalt
6 Fundstück der Saison
8 News | Termine
10 Judy Walker: Perle in 3-D
22 2-D-RAW-Kurs
33 Neue Bücher
46 Wiener Künstler
83 Leserbriefe
85 Tipps und Tricks
86 Wiener Perlenladen „Kölbl“
88 Kumihimo-Meisterin
92 Perlenladenverzeichnis
96 Wettbewerb „IBA“
98 Vorschau/Impressum


Anleitungen
26 Armband „Piaf“
29 Anhänger „Hidden Depth“
32 Halskette „Vulkanausbruch“
34 Kette m. Anhänger „Pom-Pom“
39 Ohrringe „Dipping Drop“
40 Sommerkette „Tentakel“
42 Kette „Call me Curvey“
62 Kette „Sommergold“
66 Häkelkette „Schwarz-Weiß“
68 Pandoras Necklace
73 Armband „Delightful Diamonds“
76 Magnetzylinderkette
78 Ring „Café Crema“
80 Titelanleitung „Pinch Cube Chain“
90 Kette in Kumihimo

In der Stadt zwischen Venedig und Böhmen hat das Perlenkunsthandwerk eine lange Tradition. Wir besuchten fünf ganz unterschiedliche Perlenkünstler …

2253 Stabbrosche von Jacqueline I. Lillie: einzeln verknüpfte graue und bunte Glasperlen, Stahlmontierung. Entstehungsjahr: 1999

Nach Wien – da müsste man einfach mal hin. Den „kaiserlichen Flair“ erleben, der sich beim Betrachten der Paläste wie Hofburg, Schloss Schönbrunn und Schloss Belverdere einstellt. Der reichen künstlerischen Vergangenheit (und Gegenwart!) nachspüren. Schlagworten, wie „Wiener Secession“, „Wiener Werkstätte“ Inhalt verleihen. Sich erinnern, dass Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Liszt, Brahms, Strauß, Mahler und viele andere berühmte Musiker in Wien gewirkt haben. Typisch Wienerisches genießen, wie Mehlspeisen im Kaffeehaus, den Wein aus der Umgebung im Heurigen und und und ... Wichtigster Anlass unseres Besuches sind jedoch Perlenkünstler der Gegenwart!
„Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehn“ singen wir laut im Auto, als wir nach langer Fahrt abends in Wien ankommen. Nun hat  Wien eine alte Kunst- bzw. Kunsthandwerkstradition. Auch Perlen hat es schon lange gegeben. Man denke nur an die Nähe zu Böhmen und Mähren (heute Tschechien), wo Glasperlen seit dem 17. Jahrhundert hergestellt und seit dem
19. Jahrhundert in ganz Europa vertrieben wurden. Oder an das weltweit bekannte Familienunternehmen Swarovski im österreichischen Wattens, dessen Ursprünge ebenfalls in Nordböhmen, in der Nähe von Gablonz liegen. Auch Italien und die venezianischen Perlen sind nicht weit entfernt.
Wir haben uns mit einigen Künstlern verabredet. Noch bevor wir sie treffen, lernen wir jemanden kennen, der das Thema „Glas“ kunsthistorisch beleuchtet: Frau Dr. Waltraud Neuwirth. Ihre wissenschaftlichen Forschungen zu Themen wie Wiener und Meißner Porzellan, Glas und Keramik des Jugendstils, Wiener Werkstätte, Glasperlen und Glas-Christbaumschmuck u. a. hat sie in über fünfzig Büchern – meist im Selbst­verlag – veröffentlicht. Viele Ausstellungen, oft unter Einbeziehung eigener Sammlungen sind von ihr gestaltet worden. Dr. Neuwirth war von 1968–2002 im Österreichisches Museum für angewandte Kunst („MAK“) tätig, ab 1979 als Leiterin der Sammlungen Glas und Keramik. Man kann tatsächlich nur andeuten, welche Fülle an Forschungsarbeit Dr. Neuwirth bewältigte. Noch heute geht sie regelmäßig auf Reisen in die Gegend des alten Gablonz (Jablonec, Tschechien). Im Winter 2009/10 hat sie im Museum Bautzen ihre Sam­mlung böhmischen Christbaumschmucks präsentiert. Hier die Internet-Adresse für „glashistorisch“ Interessierte: web.mac.com/waltraud.neuwirth.

 

Jacqueline Lillie:

Auf der Suche nach der kleinsten Perle

2254 4 Stahlseile, Behälter aus Aluminium, schwarze und bunte Glasperlen (Größe 22) einzeln verknüpft, 1998.

Zu dieser Verabredung konnte man uns eine kleine Nervosität nicht absprechen, ist Jacqueline Lillie doch die Respektsperson in Sachen Perlenkunst schlechthin! Ihre Arbeiten werden sehr bewundert. Aus den Fenstern ihrer Wohnung können wir das berühmte Dach der „Secession“ sehen, des Ausstellungshauses für zeitgenössische Kunst. Bei einem „kleinen Schwarzen“ kommen